Erwartete Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die europäische Kunststoffindustrie im 2026
Der Konflikt im Nahen Osten, insbesondere wenn er weiterhin strategische Gebiete wie die Straße von Hormus betrifft, dürfte überwiegend negative Auswirkungen auf die europäische Kunststoffindustrie haben, da er gleichzeitig Energie, petrochemische Rohstoffe und internationale Logistik beeinflusst.
Wichtigste erwartete Auswirkungen
1. Deutlicher Anstieg der Produktionskosten
Die geopolitische Instabilität treibt die Öl- und Gaspreise nach oben und erhöht direkt die Kosten für:
- Naphtha
- Ethylen
- Propylen
- Ethylenglykol
Diese Zwischenprodukte bilden die Grundlage für die Herstellung von Polymeren wie:
- Polyethylen (PE)
- Polypropylen (PP)
- PET
Aus diesem Grund verzeichnen europäische Hersteller bereits stärkere Preissteigerungen als erwartet, in einigen Fällen mit dreistelligen Erhöhungen pro Tonne.
2. Störungen der europäischen Lieferkette
Ein großer Teil der europäischen PE- und PP-Importe aus dem Golf hängt vom Seetransport durch die Straße von Hormus ab. Jede Einschränkung führt zu:
- Lieferverzögerungen
- höheren Frachtraten
- steigenden Transportversicherungskosten
- vorübergehenden Materialengpässen
3. Risiko von Engpässen und Force Majeure
Wenn Produzenten im Nahen Osten Exporte oder Produktionskapazitäten reduzieren, nehmen Fälle von Force Majeure zu, was zu geringerer Harzverfügbarkeit in Europa und größerer Vertragsvolatilität führt.
4. Europa ist anfälliger als die USA
Europa nutzt überwiegend Naphtha-Cracker, während die Vereinigte Staaten einen großen Teil ihrer Produktion auf Schiefergasbasis herstellen und dadurch wettbewerbsfähigere Kostenstrukturen haben. Das stärkt den Wettbewerbsvorteil der USA bei Exporten nach Europa.
5. Druck auf Verpackung, Automobil und Bauwesen
Besonders betroffen bleiben:
- Verpackung
- Automobilkomponenten
- Bauwesen
- Industriefolien
Da diese Bereiche mit hohen Volumina und niedrigen Margen arbeiten.
6. Zusätzlicher Druck auf den Recyclingsektor
Auch das europäische Recycling gerät weiter unter Druck: Die Volatilität bei Neuware und hohe Energiekosten erschweren die Wettbewerbsfähigkeit.
Wahrscheinliches Szenario in den kommenden Monaten
Falls es nicht zu einer vollständigen Blockade der Handelsrouten kommt:
- bleiben die Preise hoch, aber volatil
- werden Verträge vorsichtiger gestaltet
- suchen Unternehmen nach alternativen Lieferanten
Falls sich die Krise verschärft:
- schnelle Preisschocks bei Polymeren
- mögliche Produktionsunterbrechungen in Europa
- Weitergabe der Mehrkosten an Endverbraucher
Strategische Schlussfolgerung
Kurzfristig dürfte der Konflikt industrielle Inflation und größere Instabilität entlang der gesamten europäischen Kunststoff-Wertschöpfungskette verursachen und viele Unternehmen dazu veranlassen:
- Lieferanten zu diversifizieren
- Sicherheitsbestände zu erhöhen
- den Einsatz von Rezyklaten oder alternativen Compounds zu beschleunigen